Freiwilligenagentur-Pankow im Gespräch mit Jörg von de Fenn

(engagiert für die FreiwilligenAgentur Pankow und den Verein PRO RETINA Deutschland e. V.)

 

Jörg von de Fenn mit Langstock beim „Base Fly“ am Alexanderplatz, Foto: © A. Mölich

Er ist erfolgreicher Speed-Skater, hat sich im Ju-Jutsu und Karate ausprobiert, fährt gerne Tandem und ist regelmäßig rund um den Weißen See aktiv. Sicherlich könnte man hier noch weitere Sportarten aufzählen, die Jörg von de Fenn leidenschaftlich gern betreibt. Vor einer Weile hat man ihn außerdem dabei bewundern können, wie er an einem Seil befestigt aus 125 Metern Höhe von einem Hochhausdach am Alexanderplatz „fliegt“. Begleitet hat ihn bei diesem Abenteuer ein wichtiges Hilfsmittel: sein weißer Langstock.

Der Sport war für den gebürtigen Krefelder schon immer wichtig, doch musste er sich im jungen Erwachsenenalter auf veränderte Bedingungen einstellen: Damals, als er gerade zum Koch ausgebildet wurde, ließ ihn eine Erkrankung des Sehnervs auf beiden Augen innerhalb weniger Tage erblinden. Das hat Jörg von de Fenn aber nicht davon abgehalten sich bald darauf auf neue anspruchsvolle Wege zu wagen – und dabei hohe Gipfel zu erklimmen. Bergtouren führten ihn unter anderem auf den Großglockner in Österreich, den Elbrus in Russland und den Kilimandscharo in Tansania. Seine Begleiter:innen erfüllten und erfüllen die Unternehmungen wohl oft mit mindestens genau so viel Stolz wie ihn. „Wir haben schon viele Leute auf den Großglockner hochgebracht, aber noch keinen Blinden“, sagte ihm einmal ein Bergführer.

Vor etwa einem Jahrzehnt führte Jörg von de Fenns Weg zum Glück nach Berlin. Mitgebracht hat er viel von seinem Enthusiasmus und seiner Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. So ist er beispielsweise der Beauftrage für Berlin und Brandenburg im „Arbeitskreis Sport“ des Vereins PRO RETINA Deutschland e. V. „Wir machen uns auf die Suche für Blinde und Sehbe-hinderte, die auf der Suche nach einer Begleitung für ihre Aktivitäten sind“, beschreibt er seine Tätigkeit. Zurzeit macht er außerdem eine Weiterbildung zum ehrenamtlichen Berater inner-halb des Vereins. Hinzu kommen Veranstaltungen im Stadtteilzentrum Weißensee und Aktionen, etwa zum Tag des weißen Stockes oder dem Welt-Braille-Tag, bei denen Jörg von de Fenn seine Erkrankung thematisiert, Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte würdigt oder in Workshops auf Barrieren zwischen Betroffenen und ihrem Umfeld aufmerksam macht.

„Mir sind schon so viele kuriose Sachen passiert“, sagt er und schildert alltägliche Szenen, in denen mehr über ihn statt mit ihm geredet wird und in denen er sich manchmal mehr Normalität im Umgang miteinander wünscht. Kurios war zuletzt auch seine Suche nach einem

Speed-Skating-Verein. Um bei einem Wettbewerb mit Lizenznummer starten zu können, hat er sich schließlich einem Verein in Süddeutschland angeschlossen. „Von keinem Berliner Ver-ein kam eine Rückmeldung“, berichtet er. Es gibt also noch viel zu tun, damit Inklusion tatsächlich gelebt wird. Mit Jörg von de Fenn hat der Bezirk einen ehrenamtlich Engagierten gewonnen, der das mit viel Offenheit, Humor und beeindruckender Unbeschwertheit im All-täglichen zu ändern versucht.

Vielen Dank für das Engagement, Jörg von de Fenn!

PS: Er selbst würde sich aktuell über eine:n Trainingspartner:in für Inliner-Fahrten in der Umgebung freuen, um nach der Winterpause wieder fit zu werden!

Kontaktaufnahmen sind willkommen unter: 0176 12300789 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

I.W.