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Reise zum biblischen Berg Ararat in Ostanatolien

Reise zum biblischen Berg Ararat in Ostanatolien-

(höchster Gipfel der Türkei 5165 m)

4.August 2011, 1 Uhr nachts, 25 Grad Celsius: Da sind wir, Landung in Diyarbakir,

der Osten der Türkei mitten im Ramadan. Unser einheimischer Reiseführer Bülent begrüßt uns mit dem Hinweis, dass am Tage 43 Grad Celsius gemessen wurden.

 

Unsere erste Tour an diesem Tag führt uns auf den erloschenen Vulkan Nemrut Dağ am Van-See: Die kleinen Busse zum Ausgangspunkt der ersten Tour schütteln uns durch, warmer Wind und Staub in rauen Mengen dringen durchs offene Fenster.

Dort treffen wir auf einen unserer Bergführer für die Ararat-Expedition.

Youssuf führt uns über Geröllfelder die Kraterwände hinauf. Schließlich genießen wir die Abkühlung in einem von Thermalquellen gespeisten See mitten im riesigen Krater.

 

Am 5.August auf der Überfahrt zur Insel Akdamar berichtet man mir vom türkisblauen Wasser des stark alkalischen Sees. Die Einheimischen nennen ihn auch das Van-Meer, ist er doch siebenmal größer als der Bodensee.

Die Heilige-Kreuz-Kirche der Insel stammt aus dem 10.Jh. Dieser wichtigste armenische Sakralbau bietet zahlreiche Aussenreliefs zur biblischen Geschichte. Diese werden uns wortreich von unserem Reiseführer Bülent erklärt.

 

Weiter geht es zum Muradiye-Wasserfall, dessen Hängebrücke wieder für etwas Nervenkitzel sorgt. Nach einer Rast setzen wir unsere stundenlange Fahrt über unwegsame, türkische Straßen fort: Die Serpentinen mehren sich.

Die Mitreisenden berichten mir von Feldern aus Lavagestein, die die Nähe des Bergriesen ankündigen.

 

In Doğubayazit, auf 1700 Metern Höhe, beziehen wir schließlich unser Expeditionshotel im Schatten des Ararat. 5165 Meter warten gelassen unter einer Wolkendecke auf ihre Bezwingung.

Die Nacht ist kurz, die Kleinbusse am nächsten Morgen schnell beladen, einzig die Polizeibehörde vor Ort verzögert noch unseren Aufstieg. Das heißt warten, die Pässe und Sportvisa werden nochmals argwöhnisch beäugt: Die Spannung steigt.

 

6.August: Die Busse starten und wir schlucken wieder Staub, bis wir auf 2200 Meter auf die Transportpferde und die weiteren Bergführer treffen.

Die Trekkingstöcke gezückt starten wir zum Basislager. Der erste Aufstieg lässt es bereits erahnen: Der Berg hat uns nicht eingeladen: Geröll, Geröll, Geröll.

 

Die schwer beladenen Pferde ziehen ans uns vorüber: Da wünscht man sich Hufe.

Für 100 US Dollar die Stunde bietet man uns ein horse taxi an. Wir lehnen dankend ab. Nach etwa 4 Stunden beziehen wir Quartier im Basislager auf 3200 Metern Höhe im kleinen Iglu-Zelt. Das erste Abendessen am Berg mit in Butter geschwenkten Nudeln an der improvisierten Tafel ist köstlich und die erste ruhige Nacht jenseits der Stadt bricht an.

 

7.August: Über Serpentinen geht es zum Akklimatisieren Richtung Hochlager auf 4200 Meter Höhe. Die Höhenanpassung gelingt, nur beim Abstieg zeigt sich der Ararat von seiner unfreundlichen Seite: Es hagelt. Hoch steigen, tief schlafen. Die zweite Hürde geschafft.

 

Diese Nacht wird uns ein heftiges Gewitter am Berg bescheren: So nahe am Himmel klingt das gar gewaltig. Nun sind die Bergstiefel nass und werden auch nicht mehr trocken.

 

Die steigeisenfesten Schuhe tragen uns am nächsten Morgen zum Hochlager: Es wird steiler, mühsamer. Auf 4200 Metern angelangt warten eine warme Mahlzeit und ein größeres Zelt, doch die Nacht wird kurz: Ein Wasserfall stürzt die Felswand hinunter, untermalt die Nacht.

 

Gegen 24 Uhr geht ein Weckruf durchs Camp: Ich springe aus dem Zelt. Ganz vorsichtig versteht sich, bei all dem Gestein. 9.August: Der Gipfeltag ist da.

Das Trinksystem ist befüllt, die Kohlenhydrat-Riegel verstaut. Gegen 1 Uhr nachts beginnt der entscheidende Aufstieg.

 

Die abrutschenden Hänge fordern immer mehr heraus: Sand, Geröll - Geröll, Sand.

Der Gang über den Gletscher dann, auf etwa 4900 Metern Höhe, lässt die Nähe des Gipfels erahnen.

 

Gegen 7 Uhr 30 Ortszeit erreichen wir schließlich geschafft aber glücklich den höchsten Punkt der Türkei in 5165 Metern Höhe.

 

Nach einer ausgiebigen Gipfelrast bei schönstem Sonnenschein heisst es dann auch schon wieder Absteigen. Das wird ungleich spannender, fordert das Gelände doch alle Konzentration. Die Bergführer rasten zum Gebet.

 

Im Hochlager wird kurz zusammengepackt und ein Kaffee gereicht, denn heute geht es noch zurück ins Basislager. Nach 16 einhalb Stunden auf den Beinen endet der Gipfeltag für mich bei einem warmen Abendessen und gegenseitigen Glückwünschen.

 

Der Schlaf ist gut, die Nacht ruhig, morgen wartet der Abstieg ins Tal.

 

10.August: Nun wird auch das Küchenzelt mit seinen unermüdlich Kaffee- kochenden Bergführern abgebaut, die Pferde beladen, wir nehmen Abschied vom Zeltleben.

 

Wir bahnen uns den steinigen Weg ins Tal, vorbei an kurdischen Familien und Rasten am Gebirgsbach. Im Expeditionshotel empfängt man uns mit einem Grillnachmittag.

 

11.August: Unser Reisebus bringt uns nach Iğdir. Greenpeace hat dort als Mahnung zum Klimawandel ein Model der Arche Noah errichtet. Ein weiterer kultureller Höhepunkt: Wir besuchen Ani, die „Stadt der tausend Kirchen“.

Die einstige armenische Hauptstadt liegt heute in Trümmern unter der sengenden Sonne Ostanatoliens. Einzig ein Flusstal trennt uns nun noch vom Nachbarland Armenien. Die Präsenz der mittelalterlichen Stadt versetzt die Reisegruppe in ehrfurchtsvolles Staunen.

Die letzte Nacht auf türkischem Boden verbringen wir dann in Kals: Der Ruf des Muezzin weht zu unserem Hotel hinüber.

 

12.August: Abflug vom Flughafen Erzurum:

Wir kehren dem biblischen Berg in Ehrfurcht den Rücken. Güle, güle, Ararat.

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