Rheinische Post, 2. September 2009 - www.von-de-fenn.eu 

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Rheinische Post, 2. September 2009

Blinder Skater trainiert in Düsseldorf

Ende des Monats will Jörg von de Fenn, der vor 19 Jahren sein Augenlicht verlor, auf Inline-Skates den Marathon in Berlin meistern. Die nötige Kondition holt sich der 40-Jährige bei den Rollnächten in der Landeshauptstadt. Sie soll ihn bald auch auf den Aconcagua (6962 Meter) führen.

VON STEFAN KAUFMANN

Jörg von de Fenn ist einer dieser Menschen, die kaum still sitzen können. Macht es sich der 40-Jährige auf dem heimischen Sofa bequem, um dem Nachrichtensprecher im Fernseher zuzuhören, geht das nicht lange gut. Spätestens nach fünf Minuten wird er unruhig. Ihn zieht es nach draußen an die frische Luft — zum Wandern, zum Klettern, zum Bergsteigen. Doch dazu braucht er Hilfe von Freunden und Bergführern, denn vor 19 Jahren ist von de Fenn erblindet.

 

Ohne Helfer geht es nicht

Sein neues Hobby ist das Skaten, sein nächstes Ziel der Berlin-Marathon Ende des Monats. Dafür trainiert er in Düsseldorf, kommt zu den Rollnächten der Initiative Dusfor aus Bayern angereist. Gerne mischt sich der blinde Skater unter die mehr als 3000 Sportler, die zu Musik durch die Landeshauptstadt rollen. Als er über das Internet Helfer für die Rollnacht-Tour suchte — bei anderen Anlässen oft ein mühsames Unterfangen —, meldeten sich sofort einige Freiwillige. Ein Begleiter weist Jörg von de Fenn an einer Schlaufe und mit lauten Ansagen den Weg, warnt ihn vor Hindernissen und Straßenbahnschienen.

Jörg von de Fenn beim Training

Innerhalb einer Woche hat der gebürtige Krefelder sein Augenlicht verloren. Damals machte er gerade eine Ausbildung zum Koch. „Plötzlich wurden meine Sehnerven nicht mehr durchblutet“, sagt er. Erst Jahre später diagnostizierten Augenärzte der Uniklinik Tübingen nach einer Blutuntersuchung einen Gendefekt. „Irgendwann habe ich mir abgewöhnt, mir größere Gedanken über meine Krankheit zu machen“, sagt Jörg von de Fenn, der Blindenschrift gelernt hat und sich längst im Alltag zurechtfindet. Manchmal tauchen zwar auch heute noch einzelne Bilder in seinem Kopf auf, er weiß aber auch: „Es hilft nichts, Vergangenem nachzutrauern.“

 

Viel lieber plant er die nächsten sportlichen Höhepunkte: den Skate-Marathon auf Rollen und die Besteigung des 6962 Meter hohen Aconcagua in Argentinien im Januar. Dann hätte Jörg von de Fenn innerhalb eines Jahres die höchsten Gipfel von drei Kontinenten erklommen. Sie sind wie die anderen Namen und exakten Höhen der gemeisterten Berge in seinem Kopf gespeichert: „Im Juni war ich auf dem Elbrus, 5642 Meter, im Februar auf dem Kilimandscharo, 5895 Meter“, erzählt der Bergsteiger.

 

Die Kraft für den Aconcagua-Aufstieg („wenn ich den Gipfel spüre, brauche ich kein Panorama“) holt er sich auch in Düsseldorf. „Das Skaten ist ein gutes Training, außerdem gibt es hier nette Helfer“, sagt Jörg von de Fenn, der zurzeit auf Arbeitssuche ist und gerne ins Rheinland zurückkäme. Das nächste Mal reist er am 10. September an, wenn sich der Skater-Tross zur letzten Rollnacht des Jahres versammelt.

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