Memminger Zeitung, 1. Juli 2009 - www.von-de-fenn.eu 

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Memminger Zeitung, 1. Juli 2009

„Mich reizen die Abenteuer“

nachgefragt Beim blinden Bergsteiger Jörg von de Fenn

Jörg von de Fenn


Jörg von de Fenn (40)
ist blind — und Leistungssportler.
Zuletzt bezwang er den
5642 Meter hohen Berg Elbrus
im Kaukasus.

Herr von de Fenn, nachdem sie Ende Februar den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, bezwungen hatten, waren Sie nun mit Begleitern auf dem Gipfel des Elbrus in Russland. Was war jetzt anders für Sie als im Februar?

 

Jörg von de Fenn: Der Elbrus ist zwar rund 250 Meter niedriger als der Kilimandscharo. Aber es war nun wesentlich anstrengender für mich. Denn ab 3800 Metern hatten wir nur noch Schnee und Gletscher.

 

An was werden Sie sich noch lange erinnern?

 

Jörg von de Fenn: Der Aufstieg im Schnee war für mich besonders schwierig. Denn als Blinder konnte ich ja nicht exakt in die Fußstapfen meiner Vorderleute treten. Aber es ist alles gutgegangen. Viel schlimmer waren für mich dagegen die beiden Flüge. Da hatte ich mehr Angst als am Berg. Wir gerieten in Turbulenzen, außerdem hörten sich die Maschinen für mich nicht besonders Vertrauen erweckend an.


Aufstieg zum Elbrus

 

Stehen denn schon neue Projekte an?

 

Jörg von de Fenn: Der nächste Gipfel ist schon in Planung. Und zwar möchte ich im Dezember mit zwei Begleitern den rund 6960 Meter hohen Aconcagua im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien bezwingen. Ich will das im Rahmen des unter Bergsteigern bekannten Projekts „Seven Summits“ schaffen (siehe auch Infokasten, Anm. d. Red.).

 

Werden Sie sich auch weiterhin für die christliche Christoffel-Blindenmission engagieren?

 

Jörg von de Fenn: Ja, ich will diese Organisation weiterhin unterstützen. Aber ich bin nicht in ihrem Auftrag unterwegs.

 

Mit ihren außergewöhnlichen Leistungen haben Sie mittlerweile in ganz Deutschland für Wirbel in den Medien gesorgt. Genießen Sie das?

 

Jörg von de Fenn: Um ehrlich zu sein: Ich suche den ganzen Trubel nicht. Mir ist das auch gar nicht so recht. Mir geht es um ganz andere Dinge: Ich will die Gipfel erreichen. Und vor allem reizen mich die Abenteuer, die ich zusammen mit anderen erleben kann. Ich habe mich jahrelang darum bemüht, das alles machen zu können. (maj)


Seven Summits

  • Zu den Seven Summits (englisch für: sieben Gipfel) gehört der jeweils höchste Berg der sieben Kontinente (inklusive der arktischen Bereiche). Allerdings ist die Frage für Europa schwierig zu klären, weil der Kaukasus (mit dem Elbrus) von manchen zu Europa, von anderen zu Asien gerechnet wird.
  • Am 5. August 1986 hatte es der Kanadier Patrick Morrow als erster Mensch geschafft, alle sieben Gipfel zu besteigen. Er sah die Carstensz-Pyramide als höchste Erhebung des neu definierten Kontinents Australien-Ozeanien an. Reinhold Messner war im selben Jahr, allerdings vier Monate später, der Zweite.
  • Christian Stangl vollendete 2007 seine Besteigung aller sieben Gipfel in der Weltrekordzeit von 58 Stunden und 45 Minuten, wobei er auch auf den meisten Einzelgipfeln einen Weltrekord aufstellte.
  • Mittlerweile behauptet so mancher Fachmann, dass der technische Aufwand für eine Besteigung der zweithöchsten Berge auf allen sieben Kontinenten weitaus größer sei als bei den höchsten. (maj)

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