Straubinger Tagblatt, 6. März 2009 - www.von-de-fenn.eu 

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Straubinger Tagblatt, 6. März 2009

Blinder Bergsteiger bezwingt Kilimandscharo

Für Jörg von de Fenn erfüllt sich einen Traum — Gipfelpanorama bleibt ihm verwehrt

Von Birgit Klimke, dpa

Memmingen. Jörg von de Fenn hat sich einen Traum erfüllt. Der Bergsteiger aus Memmingen hat vor wenigen Tagen den Gipfel des Kilimandscharo bezwungen. Das wunderbare Panorama, das sich ihm auf 5895 Meter Höhe bot, blieb dem 39-Jährigen allerdings verwehrt. Er ist seit 18 Jahren blind. „Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat. Auch wenn ich den Berg Tage später noch in den Waden gespürt habe“, erzählt er über die Anstrengungen an Afrikas höchstem Berg. Er war mit vier Bergsteigern sowie 26 einheimischen Begleitern unterwegs. Ganz oben erwartete die Gruppe starker Wind und Temperaturen um minus sieben Grad. „Es ist trotzdem ein tolles Gefühl, dort zu stehen und mit den anderen um die Wette zu jubeln.“

Jörg von de Fenn mit Gepäck

Von de Fenn, der als 21-Jähriger nach einer Sehnerv-Entzündung erblindete, ist leidenschaftlicher Bergsteiger. „Die Ruhe in den Bergen gefällt mir.“ Neben vielen Wanderungen in Osttirol und im Allgäu, bei denen ihn manchmal auch seine Frau begleitete, hat der gebürtige Rheinländer auch schon einige größere Unternehmungen am Berg hinter sich. So stand er bereits auf dem Gipfel des Großglockners (3798 Meter) und meisterte einen Klettersteig am Hohen Dachstein (3004 Meter). „Ich würde gerne häufiger größere Sachen machen. Aber es ist schwierig, jemanden zu finden, der mich dabei begleitet.“ Eine Begleitperson ist für den Blinden unerlässlich. Obwohl er konditionell fit ist und sich trittsicher fühlt, braucht er einen, der ihm den Weg weist. Am Kilimandscharo in Tansania hatte der Memminger Dietmar Hail diese Aufgabe übernommen. Die beiden sind seit vielen Jahren befreundet und waren schon häufig zusammen in den Bergen unterwegs. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt von de Fenn. Hail sei stets knapp einen Meter voraus gegangen und habe ihm mit kurzen Anweisungen wie „Auf 1 Uhr ist ein Griff“ oder „Setze deinen Fuß auf 7 Uhr“ geholfen. Zur Orientierung hielt sich von de Fenn an einer Schlaufe am Rucksack seines Begleiters fest. Aufstiegshilfe, die ihm einheimische Bergführer anboten, lehnte er ab. „Die haben sich rechts und links bei mir eingehakt und wollten mir so nach oben helfen. Aber ich brauche die Bewegungsfreiheit beim Gehen.“

In sechs Tagesetappen bewältigte die Gruppe den schneebedeckten Kilimandscharo, bevor es für die Teilnehmer am Ziel die ersehnte Gipfel-Urkunde gab. Für den Aufstieg wählten sie die Machame-Route. Am anstrengendsten war nach Angaben von de Fenns der Gipfeltag, an dem die Bergsteiger ab Mitternacht 15 Stunden unterwegs waren.

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