Allgäuer Zeitung, 4. März 2009 - www.von-de-fenn.eu 

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Allgäuer Zeitung, 4. März 2009

Blinder Bergsteiger am Ziel:

Kilimandscharo erklommen

Behindertensport Jörg von de Fenn erreicht im dritten Anlauf den Gipfel in 5895 Meter Höhe

VON TOBIAS SCHUHWERK

Blick auf Kilimandscharo

Jörg von de Fenn am Gipfel des Kilimandscharo

Dar Es Salaam/Memmingen Es war am frühen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, als die kleine Gruppe den 5895 Meter hohen Gipfel des Kilimandscharo erreichte. Erschöpft lagen sie sich in den Armen und genossen für ein paar Minuten das herrliche Panorama, das sich vor ihren Füßen ausbreitete. Einem aus der Gruppe blieb dieser Anblick verwehrt — dennoch kullerten dem blinden Bergsteiger Jörg von de Fenn (39) aus Memmingen in diesem Moment Tränen über die Wangen. Endlich hatte er sein großes Ziel erreicht. Er stand als wohl erster deutscher Blinder auf dem höchsten Berg Afrikas.

 

„Meine Erleichterung war riesengroß. Es wurde Zeit, dass es endlich klappt. Ich hoffe, anderen Menschen Mut zu machen“, beschreibt der vor 18 Jahren erblindete Jörg von de Fenn das Gipfelglück, das er nach zwei vorzeitigen Expeditionsabbrüchen in diesem Moment verspürte. Allzu lange konnte er es freilich nicht genießen. „Es war unglaublich kalt da oben. Minus sieben Grad und der Wind peitschte einem so hart ins Gesicht, dass es weh tat“, sagt der zähe Bergsteiger, der sich von seinem Freund Dietmar Hail (37) führen ließ.

 

Die meiste Zeit hielt er sich an einer Schlaufe am Rucksack des Memmingers fest. An Steilstücken tastete sich der blinde Bergsteiger sogar im Alleingang nach oben. „Angst hatte ich keine. Im heimischen Wohnzimmer ist mir schon Schlimmeres passiert als auf unserer sechstägigen Tour“, sagt Jörg von de Fenn, der zuhause im Allgäu gelegentlich schon gegen eine geschlossene Tür gekracht ist und freimütig davon erzählt. Neben seinem Humor beeindruckte er auf der Abenteuerreise mit eisernem Willen: „Was Jörg geleistet hat, ist unvorstellbar. Das hat jeden beeindruckt“, berichtet Begleiter Hail.

Zur Person

  • Jörg von de Fenn (39) erblindete mit 21 Jahren während seiner Kochlehre. Ursache war eine erblich bedingte Sehnerventzündung. Er lebt mit Ehefrau Gerlinde (41) in Memmingen-Amendingen.
  • Trotz Blindheit betreib Jörg von de Fenn zum Beispiel Jiu-Jitsu, Tauchen, Inlineskaten oder Bergsteigen. Sein Lebensmotto: „Der Blinde kann alles, wenn er die richtige Assistenz hat.“
  • Internet: www.von-de-fenn.eu

Nordic Walking zahlt sich aus

Die beiden Allgäuer gehörten zu einer fünfköpfigen deutschen Gruppe, die mit 20 einheimischen Begleitern auf den schneebedeckten Riesen aufgebrochen war. „Ich konnte mit den anderen mithalten“, freut sich von de Fenn, der sich mit Nordic Walking auf den Trip vorbereitet hatte. Beim letzten Anstieg, der um Mitternacht gestartet wurde, habe er sogar einen Vorteil gehabt: „Ich bin es ja gewohnt, in der Dunkelheit zu laufen“, sagt von de Fenn und lacht kräftig. Er ist eben ein harter Bursche. Einer, der es bis nach ganz oben geschafft hat.

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