Memminger Zeitung, 5. Dezember 2008 - www.von-de-fenn.eu 

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Memminger Zeitung, 5. Dezember 2008

Mann der klaren Worte

Sportlich Jörg von de Fenn besteigt blind die höchsten Berge

Von Volker Geyer | Memmingen

Jörg von de Fenn ist ein Mann der leisen, aber klaren Worte. Er bringt die Dinge auf den Punkt — und zwar mit Humor und einem Schuss Selbstironie. Der 39-Jährige ist begeisterter Bergsteiger — und er ist blind. Im Alter von 21 Jahren hat er innerhalb von nur knapp zwei Wochen sein Augenlicht verloren, da seine Sehnerven sich entzündeten und nicht mehr durchblutet wurden.

 

«Die ersten Jahre danach waren schwierig», erzählt der gebürtige Krefelder auf der Couch im Kolbe-Haus. Er musste umschulen, die Punktschrift sowie den Umgang mit einer Spezialschreibmaschine lernen. «Die hätte ich manchmal am liebsten aus dem Fenster geschmissen.»

MZ-Jahresrückblick 2008, Jörg von de Fenn

Doch das ist lange her. Heute treibt von de Fenn begeistert Sport. Allerdings braucht er für seine Leidenschaft stets jemanden, der ihn begleitet. Und es sei zum Beispiel gar nicht so leicht, einen Bergführer zu finden, der sich das zutraue. «Obwohl der eigentlich nur gucken und laufen muss, den Rest mach ich ja allein», sagt von de Fenn mit einem Lächeln und erntet Applaus. Oft sei es so, dass er bei einer Wandergruppe anrufe und frage, ob noch ein Platz bei einer Tour frei sei.

 

«Ja, klar», bekomme er dann zur Antwort. Aber wenn er dann sage, dass er blind sei, heiße es: «Das geht nicht. Da geht es bergauf und bergab. Das ist nichts für sie.» Dagegen hatte er für eine Tour auf den Kilimandscharo bereits einen Begleiter gefunden. Doch als es im Herbst dann losgehen sollte, ist dieser erkrankt. Nun will der 39-Jährige im Januar den höchsten Berg Afrikas in Angriff nehmen. Bezwungen hat der verheiratete Amendinger übrigens bereits den rund 3800 Meter hohen Großglockner sowie den Dachstein.

 

Gold beim Speedskating

Erfolgreich war er auch bei der deutschen Meisterschaft im Marathon-Speedskating für Blinde und Sehbehinderte — er holte Gold. «Da hatte ich mich angemeldet, weil mir langweilig war», erinnert sich von de Fenn schmunzelnd. Etwas ernster wird er, als es um die Frage geht, wie er als Blinder Menschen einschätzt, die er neu kennenlernt. «Das merkt man an der Stimme — auch am Telefon.» Dagegen habe er sich als Sehender manchmal noch von einem Lächeln täuschen lassen: «Das passiert mir jetzt nicht mehr.»

MZ-Jahresrückblick 2008

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