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Die Zeitung des BLSV, 23. Oktober 2007

Eine Idee wird Wirklichkeit

In Nürnberg ermittelten blinde und sehbehinderte Speedskater erstmals ihre Deutschen Meister

Premiere in Nürnberg: Dort fanden die ersten Deutschen Speedskating-Bahnmeisterschaften für Blinde und Sehbehinderte statt.

Jörg von de Fenn, mit Begleit­läufer Norbert Einsle

Die Idee dazu hatten vor knapp einem dreiviertel Jahr Bernd O. Stottok und Jörg Kaiser (1. FCN Roll- und Eissport) bei der Sportlerehrung der Stadt Nürnberg. Dort werden zusammen mit nicht-behinderten Sportlern auch immer behinderte Athleten geehrt. Stottok und Kaiser fiel auf, dass es in der Sportart Speedskating bisher noch keine Meisterschaften für Blinde und Sehbehinderte gegeben hat.

Wie finden sich blinde Skater im Wettkampf zurecht?

Speedskaten für blinde und sehbehinderte Menschen weist einige Besonderheiten auf. Neben den Altersklassen kommen hier noch Schadensklassen hinzu, so dass sich eine Wettkampfklasse immer aus der Kombination von Alters- und Schadensklasse zusammensetzt:

Schadensklasse B1:

vollständig blinde Skater mit einem Begleitläufer,der an der Hand führt

Schadensklasse B2:

hochgradig sehbehinderten Skater mit Begleitläufer, der jedoch ohne Handberührung führt

Schadensklasse B3:

Skater mit einer Sehbehinderung, die aber dennoch ohne Begleitläufer auskommen.

Beim Start brauchen blinde Athleten eine verbale Orientierung, in diesem Fall durch das sonst nicht verwendete Anzählen mit 3 — 2 — 1, gefolgt von einem Pfiff als Startsignal anstelle des üblichen Pistolenschusses. Der Moderator muss den Rennverlauf durchgängig kommentieren und neben Überholmanövern und Abständen zwischen den Skatern auch immer wieder die noch vor den Sportlern liegenden Runden oder Meter durchsagen. Und der Rundenzähler muss die letzte Runde besonders laut und deutlich mit der Glocke einläuten, damit die Führenden dies wahrnehmen.

 

Noch an jenem Abend stand ihr Entschluss fest, das zu ändern.Schnell war mit Volker Springhart, dem Heimleiter des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg, der dritte Mitorganisator gefunden. Springhart ist selbst Mitglied beim Speed-Team Nürnberg des 1. FCN Roll- und Eissport und betreut seit über fünf Jahren Blinde und Sehbehinderte im Speedskating.

 

Gemeinsam machten sich die drei ans Werk und erarbeiteten Regelungen für Deutsche Behinderten- Meisterschaften als Ergänzung zur bestehenden Wettkampfordnung. Die zuständige Sportkommission des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes segnete die Regelungen ab und beauftragte im Frühjahr die Nürnberger mit der Ausrichtung der ersten deutschen Bahnmeisterschaften.

 

Die Gastgeber durften hoffen, dass ihre eigenen Skater bei diesen Titelkämpfen sehr erfolgreich abschneiden würden, und tatsächlich: Mit 33 von 36 zu vergebenden Medaillen dominierten die blinden und sehbehinderten Speedskater aus Franken den Wettbewerb, über die anderen drei Medaillen konnte sich der Skate Club Allgäu freuen.

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