Stadtjournal Nidderau, 14. März 2007 - www.von-de-fenn.eu 

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Stadtjournal Nidderau, 14. März 2007

Tauchen für Blinde — Der HLTC macht's möglich

Nidderau. Wie zwei Fische tauchen zwei schwarze Körper lautlos ins vier Meter tiefe Wasser. Ihre bunten Flossen gleiten mit fließenden Bewegungen durchs Nass. Große Luftblasen steigen an die Wasseroberfläche.

Nach zehn Minuten erscheinen Tauchlehrer und Schüler wieder an der Wasseroberfläche. Auf dem Gesicht von Jörg von de Fenn ist ein breites Lächeln zu erkennen. Er hat soeben zum ersten Mal Erfahrung mit Taucherbrille, Neoprenanzug und Atemgerät gemacht. Jörg von de Fenn ist blind. Dennoch ist er völlig begeistert vom ersten Tauch-Trip seines Lebens mit Behinderung: „Ich konnte mich im Wasser frei bewegen. Hätte nie gedacht, dass ich unter Wasser so leicht und ohne Panik atmen kann.“

Die Premiere für Jörg von de Fenn und fünf andere sehbehinderte Männer und Frauen war eine Premiere in Deutschland. Noch nie hat es in dieser Form einen Tauchkurs für Blinde gegeben. Möglich gemacht hat ihn der Hessische Landtauchclub, der mit der Schnupperkurs-Aktion zugleich auf ein ehrgeiziges Projekt aufmerksam machen wollte: In Nidderau soll ein neuer Tauchturm entstehen, um den faszinierenden Unterwassersport das ganze Jahr ausüben zu können. Der Grund: Im Umkreis von 100 Kilometer um Frankfurt gibt es bislang keine ganzjährige Sportstätte für Taucher. Deshalb soll das Hallen- und Freizeitbad Nidderau nach dem Willen des Landestauchclubs zum neuen Taucher-Domizil gemacht werden.

Die Aktion hatte sich gelohnt, die Resonanz war unerwartet hoch: Die Gäste kamen aus Böblingen, Memmingen, Oberursel und Frankfurt. Anfragen hat es sogar aus Berlin und Leipzig gegeben.

Nach der Theorie ging es gleich zur Praxis über: Schnorcheltraining im Wasser. Da die für das Tauchen wichtigen Handzeichen bei Menschen mit Sehbehinderungen nicht angewendet werden können, wurden die vier Basiszeichen vom Ausbilder mechanisch gedeutet. So wurde beispielsweise das Zeichen für „alles in Ordnung“ durch ein Drücken am Oberarm des Schülers verdeutlicht. Der Tauchschüler gibt daraufhin ein „sehendes Zeichen“, nämlich das Zusammenführen von Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis als Antwort.

„Meine Begleiterin war immer spürbar. Sie hat mich ganz behutsam ins tiefe Wasser geführt. Ich konnte meiner Tauchlehrerin individuell mitteilen, ob ich bereit bin, noch tiefer zu tauchen“, erzählt die sehbehinderte Schülerin Brigitte Buchsein aus Oberursel. Da sie immer auf der Suche nach etwas Neuem ist, wurde die Neugier auf das Tauchen geweckt. Der Tauchkurs war für sie eine gute Erfahrung und sie könnte sich vorstellen, weitere Tauchgänge zu machen.

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