Frankfurter Rundschau, 28. Februar 2007 - www.von-de-fenn.eu 

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Frankfurter Rundschau, 28. Februar 2007

Blinde fasziniert vom Tauchen

Workshop des Landtauchclubs Nidderau für die behinderten Menschen / „Das war unglaublich schön“

Der Verein warb während der Veranstaltung für den Bau eines Tauchbeckens mit zehn Metern Tiefe auf dem Gelände des Nidderauer Freibades.

Bruchköbel · „Diese Schwerelosigkeit, ganz von Wasser umgeben zu sein und dann trotzdem atmen zu können – das war unglaublich schön.“ Brigitte Buchsein sitzt nass am Rande des Bruchköbler Hallenbades, und ihr Gesicht strahlt vor Freude. Die 38-jährige ist eine von fünf blinden Menschen, die am vergangenen Wochenende an einem zweitägigen Tauchworkshop des Hessischen Landtauchclubs Nidderau (HLTC) teilnahmen.

Jörg von de Fenn beim tauchen

Tauchen für Blinde, dass habe es ihrem Wissen nach in Deutschland noch nicht gegeben, meinte Uwe Richter, gemeinsam mit Tauchausbilder Jörg Blättermann Organisator des Workshops. Auf ihren Veranstaltungshinweis in einer Blindenzeitschrift im vergangenen Herbst hätten sich sofort 15 Interessierte gemeldet. „Wir konnten nur fünf aussuchen“, so Richter. Denn jeder blinde Teilnehmer braucht einen sehenden Begleiter unter Wasser. Diese Aufgabe übernahmen ehrenamtliche Übungsleiterinnen und Ausbilder vom HLTC.

So war es für Jennifer Löffler ein „tolles Erlebnis, gerade Blinden mein liebstes Hobby näher zubringen“. Schließlich arbeitet die 19-jährige Taucherin in einer Blindenwerkstatt.

Dass Tauchen durchaus ein Rehabilitationssport für körperlich Behinderte sein kann, wollten die Organisatoren mit diesem Workshop demonstrieren.

Am Rande der Veranstaltung machten sie auf ein ambitioniertes Projekt aufmerksam: Auf dem Gelände des Nidderauer Freibades plant der HLTC einen sogenannten Tauchturm. Dies ist ein Becken mit rund 80 Quadratmetern Wasserfläche und zehn Metern Tiefe. Richter: „Das wäre hessenweit eine einmalige Anlage.“ Gerade zur Ausbildung von Kindern, Jugendlichen, aber auch für Polizei und Rettungsschwimmer sei erst eine Tauchtiefe ab zehn Meter optimal. Die Bäder in Nidderau und Bruchköbel bieten nur zwei beziehungsweise vier Meter Tiefe. Der Tauchturm soll rund 1,5 Millionen Euro kosten. Die Stadt Nidderau und der Zweckverband Schwimmbad hätten schon zugestimmt. Baubeginn soll im Herbst 2008 sein. Doch so lange will Brigitte Buchsein nicht warten mit einem neuen Abtauchen. „Es wäre toll, auf diesen Kurs aufbauen zu können“, so die sportliche Oberurselerin. Martin Stürmer verließ ebenso ungern das Wasser. Aus Neugier hatte der 42-jährige aus Böblingen sich angemeldet und wurde nicht enttäuscht. „Trotz des Gewichts der Ausrüstung konnten wir uns ganz leicht bewegen“, sagt er fasziniert.

Equipment ertastet

Die Technik der Flasche, das Anlegen des Anzugs, den Umgang mit dem Schnorchel trainierte die Gruppe am ersten Workshoptag. Mit ihren Händen ertasteten sich die Blinden unter Anleitung das Tauchequipment. Für den Tauchgang wurden Berührungszeichen ausgemacht, die Blinden waren unter Wasser im ständigen Körperkontakt zu ihren Begleitern. Das gab ihnen ein großes Gefühl von Sicherheit. Zudem hatten die Ausbilder am Boden in vier Meter Tiefe kleine Überraschungen verteilt. „Da waren plötzlich Pflanzen und Muscheln zu ertasten“, so Jörg von de Fenn, der aus dem Allgäu zu diesem außergewöhnlichen Abenteuer angereist war. „Es war eine ganz große Entspannung“, sagt Sebastian Harling aus Frankfurt, „fast wie fliegen“.

Monica Bielesch

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